Weißes Pulver im Verlagshaus

Fingierte Anschläge auf Hellweger Anzeiger und Antenne Unna

Im Verlagshaus des Hellweger Anzeigers ist im Dezember Post mit einem verdächtigen, weißen Pulver eingegangen. Die Feuerwehr löste ABC-Alarm aus – nicht das einzige Mal an diesem Tag in Unna.

Fingierter Anschlag auf die Redaktion des Hellweger Anzeigers: Im Verlagshaus an der Wasserstraße in Unna ist Post mit verdächtigem Inhalt eingegangen. Weißes Pulver, das eine todbringende Gefahr vortäuschen sollte.

Wie schon im Frühjahr und Sommer dieses Jahres an mehreren anderen Orten im Kreis Unna löste auch dieser Fund einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Auch diesmal stellte sich die Substanz schlussendlich allerdings als harmlos heraus. Die Spezialkräfte der Analytischen Task Force der Feuerwehr Dortmund gaben nach einer Untersuchung der Substanz schließlich am Dienstagnachmittag Entwarnung. Es handelte sich um harmloses Waschmittel.

Bis dahin erlebte insbesondere eine Mitarbeiterin des Verlagshauses Rubens bange Stunden. Sie hatte um kurz nach halb zwei die eingegangene Post bearbeitet. Als sie einen an das Redaktionsnetz Westfalen adressierten Brief öffnete, fiel ihr eine ungewöhnliche Substanz auf: Ein helles, kristallines Pulver – „ähnlich wie Vanillezucker“, wie sie berichtete.

Feuerwehr alarmiert und Gebäude evakuiert

Sie war mit dem Pulver in Berührung gekommen und tat dann das einzig Richtige: Sie isolierte sich, wusch sich gründlich die Hände, alarmierte die Feuerwehr und sorgte über die Verlagsleitung dann dafür, dass das Gebäude evakuiert wurde.

Das Redaktionsnetz Westfalen (RNW) versorgt von Unna aus mehrere Zeitungen in Nordrhein-Westfalen mit einer Gesamtauflage von rund 200.000 Stück mit den überregionalen Inhalten; neben dem Hellweger Anzeiger unter anderem Ruhr Nachrichten, Dorstener Zeitung, Halterner Zeitung, Münsterland Zeitung und Recklinghäuser Zeitung. Der Brief mit dem verdächtigen Inhalt war an die Redaktion des RNW adressiert und enthielt einen Weihnachtsgruß. Ein Absender war nicht auszumachen. Ansonsten war an dem Brief nichts ungewöhnlich.

Die Mitarbeiter des Verlags versammelten sich zunächst auf dem Parkplatz gegenüber am Ostring. Mit der Aussicht, dass der Einsatz noch einige Stunden würde dauern können, suchten sie sich Arbeitsplätze an anderen Standorten, um ungehindert weiterarbeiten zu können.

Die Feuerwehr zog indes ihr Einsatzprogramm für solche Lagen routiniert durch: Mit großem Aufgebot rückten zunächst Kräfte der Feuerwehr Unna an und alarmierten dann die Spezialeinheit der Analytischen Task Force aus Dortmund nach.

Es ist eine Einheit mit Fachleuten für spezielle Einsätze wie diese: teils haupt- und teils ehrenamtliche Wehrleute, die allesamt zusätzlich für die besonderen Einsatzlagen mit biologischen oder chemischen Gefahrenstoffen ausgebildet sind. Sie kümmerten sich um die Mitarbeiterin und stellten den Brief mit dem verdächtigen Inhalt sicher.

Mehrere Feuerwehr- und Rettungswagen waren angerückt, die Auswirkungen auf den Verkehr am Ring waren entsprechend groß. Die Polizei hob die Vollsperrung des Ostrings schnell wieder auf und führte den Verkehr an der Einsatzstelle vorbei.

Dennoch staute sich der Verkehr hinter der Kreuzung Wasserstraße/Ostring, nachkommende Fahrzeuge auch der Spezialeinheit aus Dortmund hatten es entsprechend schwer, zur Einsatzstelle durchzukommen. Zu allem Überfluss war zwischenzeitlich auch noch die Ampel an der Kreuzung Massener Straße/Feldstraße ausgefallen, was für zusätzliches Verkehrschaos in der Stadt sorgte.

Nach einer Auswertung von Fotos des verdächtigen Briefes stellten die Spezialkräfte der Analytischen Task Force den Umschlag sicher und brachten ihn zwecks Untersuchung aus dem Gebäude. Gleichzeitig halfen sie der Mitarbeiterin, sich zu dekontaminieren.

Gegen 16.15 Uhr – rund zweieinhalb Stunden nach der Alarmierung – war der Spuk dann beendet. Die Analyse ergab, dass es sich um harmloses Waschpulver handelte. Wenig später gab es dann erneut einen ABC-Einsatz, diesmal in den unweit entfernten Räumlichkeiten von „Antenne Unna“.

Einsatz bei Antenne Unna zügig beendet

Dort war am späten Dienstagnachmittag ebenfalls ein Brief mit verdächtigem Inhalt aufgefallen: ein weißes Pulver. Anders als beim Hellweger Anzeiger war dort allerdings niemand mit der Substanz in Berührung gekommen. Die herbeigerufene Feuerwehr verglich diesen Brief mit dem an das RNW adressierten und kam zu dem Schluss, dass es sich um denselben Verursacher handeln muss.

Die Analytische Task Force aus Dortmund, die gerade erst von dem Einsatz beim Hellweger Anzeiger abgerückt war, kehrte nochmal um. Die Experten untersuchten auch diesen Brief. Das Ergebnis: Er trug die gleiche Handschrift und die gleichen Briefmarken wie der zuvor gefundene Umschlag. Auch der Inhalt erwies sich als identisch.

Ein Großaufgebot wie zuvor beim Hellweger Anzeiger wurde daher nicht mehr aufgefahren. „Das wäre jetzt nicht verhältnismäßig“, sagte Olaf Weischenberg von der Feuerwehr Unna unserer Redaktion. Er lobte ausdrücklich das Verhalten der betroffenen Mitarbeiter, sowohl beim Hellweger Anzeiger als auch bei Antenne Unna. „Sie haben sofort die Feuerwehr verständigt, sich isoliert und den Brief nicht weiter berührt; das war genau richtig.“

Jetzt ermittelt die Kriminalpolizei. Beamte waren bereits vor Ort, um mögliche Spuren zu sichern. Schon im Rahmen der früheren Vorfälle hatten die Ermittlungsbehörden allerdings die Frage aufgeworfen, ob es sich überhaupt um eine Straftat handele. Das Pulver sei ungefährlich gewesen, insofern habe auch keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestanden, so die Einschätzung damals. Zwar sei auch das Vortäuschen einer Straftat strafbar, in vergleichbaren Fällen sei die Rechtsprechung aber nicht immer eindeutig gewesen.

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